GEIST/MUTTER/FLEISCH
(2017)
Ein szenisches Hörstück Projektidee und Umsetzung: Johana Gómez und Jasmin Schädler Mit: Laura Vanessa Galeano Ochoa und Carolina Junca Fernández SprecherIn: Kerstin König und Thomas Prazak
„Sie wird aber Selig werden durch Kinder zeugen“ 1. Timoteus 2.15
Mit diesem Bibelvers argumentiert Luther gegen das Zölibat und somit gegen die rein geistliche Mutterschaft, wie sie in Klostern praktiziert wird. Bis zur Reformation standen Jungfräulichkeit und Unverheiratet-Sein über Heirat und Fortpflanzung. Geistliche Mutterschaft war für Frauen wie Männer höchste christliche Tugend: sie war vollkommene Caritas.

Bild: Luz Marina Ochoa
Durch die Reformation wurde die geistliche Mutterschaft abgewertet und die fleischliche aufgewertet. Im Zentrum der Untersuchung von Johana Gómez und Jasmin Schädler steht Schillers Wallenstein Trilogie. In diesem Werk über den dreißigjährigen Krieg wird die Verunsicherung des Mutterbildes durch die Reformation an Hand der drei Frauenfiguren, Herzogin Elizabeth, ihrer Tochter Thekla und der Tante Gräfin Terzky erzählt. In ihrem szenischen Hörspiel trifft Schillers Wallenstein Text auf Texte von Luther, Augustinus und die Geschichte von Kloster und Reformation. Der Klostergarten füllt sich mit bildlichen Assoziationen, die das Thema Mutterschaft erweitern und verfremden. Die Zuschauer*innen sind dazu eingeladen während der Aufführung im Kreuzgang des Klosters Maria Stern zu flanieren.
Quelle: Jasmin Schädler und Johana Gómez